2017: Neu hinsehen! Ein katholischer Blick auf Luther

Ein Projekt der KEB Sachsen-Anhalt und der Akademie des Bistums Magdeburg


Archiv

13.-15. März 2016: Studienfahrt aus dem Bistum Fulda unterwegs

Die Akademie und Fortildungseinrichtung Bonifatiushaus des Bistums Fulda war mit einer Gruppe im Rahmen der Projekt-Studienfahrten in Sachsen-Anhalt zu Gast und machte Station in Halle, Wittenberg und Eisleben.

Die Fahrt organisierte der Leiter des Bonifatiushauses Gunter Geiger. In Begleitung des Projektleiters Stephan Mokry führte sie zunächst nach Wittenberg. Auf einem Rundgang von der Schlosskirche aus mit Besichtigung der Mutterkirche der Reformation und zentralen Predigtkirche Luthers, der Stadtpfarrkirche, ging es vorbei am Melanchthonhaus ins Lutherhaus. Dort stellte Kurator Mirko Gutjahr den Werdegang Luthers detailreich und anschaulich vor. Am nächsten Tag stand der Besuch des europäischen Kulturerbes der Franckeschen Stiftungen an: der gewaltige Bildungs- und Fürsorgekomplex in Halle (Saale) macht den Bildungsanspruch der Reformation deutlich - Kustos Dr. Veltmann und sein Team gewährten interessante Tiefenblicke in die Geschichte der Einrichtung. Ein Rundgang durch Halle auf den Spuren von Luther und Kardinal Albrecht führte in den sog. Dom (dem Ort von Albrechts Reliquienschätzen) und in die Marktkirche (der protestantischen Hauptkirche mit der originalen Luther-Totenmaske). Der Abschlusstag brachte die Gruppe auf den letzten Gang Luthers 1546 in seine Geburtsstadt Eisleben. Hier machte eine Führung im sog. Sterbehaus Luthers nicht nur seinen Todesweg und dessen Bedeutung in der Zeit der Reformationswirren nachvollziehbar (guter Tod als Zeichen der richtigen christlichen Gesinnung), sondern warf interessante Schlaglichter auch auf die Herausforderungen der museumspädagogischen Anstrengungen, die Themen Tod, Sterben und Erlösung einer modernen, säkularisierten Gesellschaft zu vermitteln.

 

13. März 2016: Kardinal Kasper zeigt Ökumene-Perspektiven auf

Der ehemalige Präsident des päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen und Ökumene-Spezialist Kardinal Walter Kasper stellt in seinem neuen Buch die Frage nach Luther in ökumenischer Perspektive und skizziert Wege zur Einheit: Darüber ein Beitrag des Domradios hier.

 

09. Februar 2016: Erneut ein Diskussionsbeitrag zum Verständnis der Reformation

Der renommierte Renaissance-Spezialist Prof. Volker Reinhardt legt ein Buch unter dem Titel "Luther, der Ketzer. Rom und die Reformation" (München 2016) vor, das besonders die Sichtweise Roms auf die Ereignisse in Deutschland herausarbeitet. Ein Interview mit dem Autor als Link hier.

 

 

18. Dezember 2015: Katholische Einordnung Luthers und der Reformation aus historischer Sicht

"Luther und die Reformation 1517-2017. Kritische Anmerkungen (nicht nur) zur Luther-Biographie von Heinz Schilling", unter diesem Titel legt der Würzburger katholische Kirchenhistoriker Prof. Dr. Dominik Burkard einen Vortrag vom April 2015 nun im Druck vor.

Der Vortrag war eine direkte Erwiderung auf ein Referat von Prof. Dr. Heinz Schilling am 24. April 2015 im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Würzburger Wissenschaftlichen Gesellschaft. Burkard gibt zwar selbstreflexiv zu bedenken, dass jeder Historiker auch mit der "Brille" seiner Zeit und Person auf die Geschehnissen blickt; er unternimmt von diesem Standpunkt jedoch im bisweilen konfessionell einseitig dominierten Deutungsgeschehen um 2017 eine ausgewogene, trotzdem angespitze und anregende, dezidiert katholische Einordnung Luthers, die u.a. die Pluralität und Ausdifferenziertheit des Spätmittelalters in Kirche und Gesellschaft betont, vor deren Hintergrund die reformatorischen Entwicklungen im 16. Jahrhundert bisweilen zu einer stärkeren Homogenität tendierten. Dies und mehr nachzulesen in:

 

Dominik Burkard: Luther und die Reformation 1517-2017. Kritische Anmerkungen (nicht nur) zur Luther-Biographie von Heinz Schilling, in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 78 (2015), S. 513-526.

 

25.-27. November 2015: Ökumenischer Versöhnungsweg in Wittenberg und Tagung "Luther vermitteln"

Die Tage vor dem ersten Adventswochenende stehen in Wittenberg ganz im  Zeichen Luthers und seiner Relevanz für heute - in doppelter Hinsicht:

Einerseits findet um 18:00 der Ökumenische Versöhnungsweg der ACK Sachsen-Anhalt statt. Ausgehend von der Schlosskirche geht der Weg über die katholische Pfarrkirche zur evangelischen Stadtkirche. Dort setzen die mitgehenden Kirchenvertreter, so etwa der Magdeburger katholische Bischof Feige und die Bischöfin der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands Junkermann, ein Versöhnungszeichen. So soll bewusst gemacht werden, dass die Geschichte seit Luther auch eine schmerzvolle Geschichte gewesen ist, die zu überwinden Aufgabe für die Zukunft darstellt.

Bericht und Links zum Versöhnungsweg: hier.

Am nächsten Tag beginnt die von der Stiftung Luthergedenkstätten veranstaltete Tagung "Luther vermitteln". Sie geht der Frage nach, wie Luther adäquat in Kunst, Kultur, Literatur, Film und Religionsunterricht vermittelt werden kann bzw. aktuell vermittelt wird - mit Blick auf 2017 ein lohnendes und spannendes Unterfangen.

 

 

13. Oktober 2015: Wer macht was zu 2017? Umfrage gestartet!

Nicht zuletzt die von DBK und EKD vereinbarte ökumenische Dimension des Reformationsgedenkens befördert in den Gemeinden und Gremien die Frage: Was machen wir vor Ort mit Blick auf 2017? Die Projektstelle startete hierzu eine Umfrage.

Und mittlerweile kommen die ersten Rückmeldungen an. Ziel ist es, diese Aktionen, Bildungsangebote, Programme und Materialien zu sammeln und ggf. in einem nächsten Schritt im Rahmen des Projekts zu dokumentieren und zugänglich zu machen. Wer dazu etwas beitragen will, ist herzlich willkommen und braucht dazu nur die Projektstelle kontaktieren.

 

10. September 2015: Mitmach-Aktion 95 Thesen in 9,5 Kategorien

Für die Zukunft der Kirchen und eine Welt in Frieden und Gerechtigkeit: in ökumenischer Verbundenheit können im Internet unter www.mit-luther-zum-papst.de Thesen eingereicht werden.

Für viele Christinnen und Christen stellt sich die Frage: Wie sieht es mit der Nachwirkung der Reformanliegen Luthers heute aus? Wo ist Bedarf, etwas in den Kirchen und der Welt zu verändern? Daher ruft das ökumenische Pilgerprojekt "Mit-Luther-zum-Papst" zum Thesenanschlag auf! Unter 9,5 Kategorien entlang der Inhalte der Charta Oecumenica können sich Interessierte beteiligen. Die Ergebnisse sollen im Rahmen der Pilgerfahrt 2016 nach Rom übermittelt werden.

 

11. August 2015: Rom bekommt einen Martin-Luther-Platz

Knapp 500 Jahre nach seiner Romreise ist Luther in der Ewigen Stadt nun in besonderer Weise präsent.

Luther war im Auftrag seines Ordens wohl 1510/11 in Rom. Auf Anregung der lutherischen Gemeinde von Rom wird nun ein Platz nach dem Reformator benannt. Es wird sicherliche spannend zu sehen, ob und wie der Platz im Rahmen des Reformationsgedenkens eine Rolle spielen wird...

 

22.-24. Juli 2015: Erste Studienfahrt an Lutherstätten

Die erste Studienfahrt im Rahmen des Luther-Projekts hat stattgefunden. Eine Gruppe des Katholischen Kreisbildungswerkes Freising besuchte Eisleben, Wittenberg und Halle.

Auf dem Programm standen das Geburtshaus Luthers in Eisleben, das Melanchthonhaus und das Lutherhaus in Wittenberg sowie ein Rundgang durch Halle, wo Luthers "Gegenspieler" Kardinal Albrecht von Mainz und Magdeburg residierte und Luther auf seiner letzten Reise in die Grafschaft Mansfeld einen mehrtägigen Halt einlegte und einige der letzten Predigten hielt. Bei den Teilnehmenden der Studienfahrt unter Leitung des theol. Referenten im Kreisbildungswerk Freising Florian Heinritzi handelte es sich um Mitglieder und Multiplikatoren des Seniorenstudiums Freising, eines innovativen Projekts im Rahmen des sog. Lernens in der dritten Lebensphase. Die Fahrtteilnehmer sind z.T. auch selbst in den Bereichen der Erwachsenenbildung katholischer Pfarreien des Landkreises Freising tätig. Sie zeigten sich beeindruckt von den Museen und den Orten. Die Führerin im Lutherhaus Wittenberg meinte anerkennend:  "Ich sehe schon, Sie sind sehr interessiert". Die Teilnehmer/innen wollen gerne wiederkommen.

Ausgangspunkt der Besichtigungen war Kloster Helfta, Wirkungsort großer mittelalterlicher Mystikerinnen. Da das Kloster in den Bauernkriegen mitten in den ersten Jahren der Reformationszeit zerstört und 1541 endgültig aufgehoben wurde, erhält der 1999 durch die Zisterzienserinnen aus Landshut wiederbesiedelte Standort eine besondere reformationsgeschichtliche und auch ökumenische Bedeutung.

 

29. Juni 2015: Gemeinsames Christusfest.

Deutsche Bischofskonferenz und Evangelische Kirche Deutschlands verständigen sich auf gemeinsame Veranstaltungen im Rahmen des Reformationsgedenken 2017.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz erklärten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Reinhard Kardinal Marx, und der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, ab Oktober 2016 das Jahr bis zum sog. Reformationsjubiläum im Oktober 2017 mit gemeinsamen Veranstaltungen zu begehen. Ziel sei es, das Reformationsgedenken im Sinne Luthers als Christusfest zu gestalten. Auf den Weg dorthin soll es u.a. in der Fastenzeit 2017 am 11. März einen Versöhnungsgottesdienst in Berlin geben, ebenso wird das Fest Kreuzerhöhung am 14. September als ökumenischer Gottesdienst gefeiert. Die Pressemitteilung und den Briefwechsel zwischen Marx und Bedford-Strohm auf der Homepage des Erzbistums München und Freising hier.

 

8.-9. Juni 2015: Projektvorstellung auf der KEB-Bundeskonferenz in Mühlheim a.d.R.

Auf der jährlichen Bundeskonferenz der KEB Deutschland stellten Dr. Stephan Mokry und Ludger Nagel (Geschäftsführer der KEB Sachsen-Anhalt) das Luther-Projekt vor. Die Teilnehmenden aus den Landesarbeitsgemeinschaften, Verbänden, Akademien und Bistumsabteilungen zeigten reges Interesse an den Angeboten des Projekts, dessen Vorbildcharakter positiv gewürdigt wurde. Ideen für weitere Kooperationen und Zusammenarbeiten konnten angedacht werden.

Die Unterstützung bei der Konzeption von Studienfahrten wurde besonders nachgefragt, aber auch die Fachtagung im Oktober 2016 in Magdeburg trugen sich viele schon jetzt in den Kalender ein. Das Thema "Reformation - ein Bildungsgeschehen?" greift nicht nur ein für die Erwachsenenbildung höchst relevantes Thema auf. Es ist auch in der aktuellen Bildungsdiskussion bedeutend, wenn nach Sinn und Zweck von Bildung gefragt wird. Hier kann der Blick auf die reformatorischen Bestrebungen genauso wie bspw. auf die jesuitischen Kollegien zeigen, dass die Ermöglichung einer guten Ausbildung aus dem christlichen Welt- und Menschenbild hervorgeht.

 

3. Juni 2015: Radiointerview mit LandesWelle Thüringen

Wie hat sich das katholische Lutherbild gewandelt? Kann die katholische Kirche im Jahr 2017 "mitfeiern"? Hat die katholische Kirche Anliegen Luthers mittlerweile für sich entdeckt? Lukas Roschka interviewte Projektleiter Dr. Stephan Mokry.

Mokry erklärte kurz, dass aus katholischer Sicht Luther nicht mehr in polemischer Absicht als Ketzer verunglimpft werde, sondern man sich um einen objektiven Zugang bemühe und seine damaligen Reformanliegen würdige. Mit dem Kirchengeschichtsprofessor Erwin Iserloh sei ab den 1960er Jahren auch das typisch Katholische an vielen Gedanken Luthers ins Bewusstsein gekommen. Mit dem II. Vatikanischen Konzil, der großen Kirchenversammlung 1962-65, sollte nach dem Willen des Papstes Johannes XXIII. die Brücke hin zu den getrennten Brüdern und Schwestern im Glauben gebaut werden. Es war an der Zeit, in der Wertschätzung der Heiligen Schrift und des gemeinsamen Priestertums aller Getauften sowie in der Volkssprache im Gottesdienst wichtige Anliegen Luthers aufzugreifen. Trotzdem könne die katholische Kirche nicht im eigentlichen Sinne 2017 mitfeiern. Jedoch findet der Vorschlag des ehemaligen Präses der Evangelischen Kirche Deutschlands, Schneider, auf beiden Konfessionsseiten immer mehr Widerhall, 2017 als ein Christusfest zu begehen, was auch im Sinne Luthers sei.

Sendetermin: Wochenende 6./7. Juni 2015.

 

3. Juni 2015: Projektvorstellung auf der Dekanatskonferenz in Tangermünde

"Luther - feiern oder gedenken?" Impuls und Projektvorstellung auf der Konferenz des Dekanats Stendal im Bistum Magdeburg.

Die geschichtsträchtige, malerische Stadt Tangermünde liegt in der Altmark im Norden des Bistums, wo durch die weite Streuung der Katholiken/innen die Diasporasituation besonders spürbar ist. Die Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer beschäftigten sich damit, wie sich aktuell das Verständnis der Feierlichkeiten 2017 innerhalb der Konfessionen und zwischen ihnen entwickelt. In der Diskussion wurde deutlich, dass mit Blick auf 2017 ein wertschätzendes Begegnen auf Augenhöhe zwischen den Konfessionen unabdingbar sei. Es sollte dabei - im Bewusstsein des immer noch Trennenden - durchaus das Gemeinsame im Vordergrund stehen, was das praktische ökumenische Leben vor Ort in der Regel schon heute selbstverständlich prägt.