2017: Neu hinsehen! Ein katholischer Blick auf Luther

Ein Projekt der KEB Sachsen-Anhalt und der Akademie des Bistums Magdeburg


Wissenswertes


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Ablass und Fegefeuer

Am Thema des Ablasses bzw. der Ablässe entzündete sich der Konflikt Luthers mit der Kirche. Im Spätmittelalter verstand man unter einem Ablass v.a. den Nachlass von zeitlichen Sündenstrafen im sog. Fegefeuer aufgrund eines päpstlichen Privilegs (Stichwort: Ablassbriefe). Das Fegefeuer stellt einen Läuterungsort dar, an dem der Mensch zu büßen hatte. Warum? Dahinter stand die Vorstellung, dass zwar in der Beichte die Lossprechung von der Schuld einer sündhaften Tat geschehen konnte, trotzdem diese Tat noch gewissermaßen zeitliche Folgen hatte, die sog. Sündenstrafen. Das Verhältnis zu Gott war "beschädigt", der Sünder hatte daher eine Läuterungsphase nach dem Tod zu erdulden (und machte somit den "Schaden" wieder gut). Am Ende gelangte er am Jüngsten Tag - also dem Weltende mit dem Endzeitgericht - zur Seligkeit. Anders, die im Status der sog. Todsünde verstarben: sie gingen in die ewige Verdammnis, die Hölle ein (die nicht das Fegefeuer ist!).

 

Im Mittelalter entstand die Vorstellung, der Papst sei in seinem Selbstverständnis als Stellvertreter Christi und Nachfolger des Petrus befugt, aus der Gesamtheit der heilbringenden und -wirkenden Verdienste Jesu Christi und aller Heiligen gleichsam wie aus einem Schatz (daher "Schatz der Kirche"/thesaurus ecclesiae genannt; vgl. die Mt 6,2, wo Jesus auffordert, Schätze im Himmel zu sammeln) auszuteilen, so dass die zeitlichen Sündenstrafen reduziert werden können. Dies lässt sich mit dem Matthäusevangelium (Mt 16,18f.) begründen, wo von Jesus an Petrus verheißen wurde, er habe die Binde- und Lösegewalt in der Kirche.

Da das Fegefeuer als qualvoll beschrieben wurde, ist es nachvollziehbar, dass eine Verkürzung der Zeit dort damals den Menschen bald als erstrebenswert galt.

 

Es entwickelte sich unter dem Einfluss wortgewaltiger Ablassprediger die populäre Ansicht, man könne mit Geld als einer Ersatzleistung für Bußgesinnung und Bußwerke mit einem Ablassbrief gleichsam eine Eintrittskarte in den Himmel erwerben. Sogar für die Toten sollte dies möglich sein. Ablassprediger wie Johannes Tetzel förderten wohl nicht unabsichtlich solche Vorstellungen, die jedoch schon damals theologisch fragwürdig waren. Doch zugleich erwies sich das Ablasswesen als profitable Geldquelle, mit der z.B. Kardinal Albrecht seine Schulden abbezahlen konnte, die er für die Erlaubnis, zwei Bischofssitze zu erwerben, aufgenommen hatte. Und auf den in seinem Namen organisierten Ablasshandel reagierte Luther 1517 mit seinen Disputationsthesen, die er auch an Albrecht schickte - ohne offenbar zu wissen, dass Albrecht maßgeblich für die Händel verantwortlich war.

 

Auch heute noch gibt es den Ablass. Man kann ihn z.B. in den sog. Heiligen Jahren, die der Papst ausruft, erwerben, u.a. durch Beichte, Kommunionempfang und weitere Bußwerke in Intention des konkret ausgeschriebenen Ablasses. Hinter dem Ablass steht die Überzeugung, dass alle Getauften - die "normalen" Christen auf Erden mit den "Heiligen" und schon Verstorbenen - durch Christus verbunden sind, also eine Solidargemeinschaft bilden. Die mittelalterlichen Altäre mit den vielen Heiligenfiguren machen diese Vorstellung besonders augenfällig. An ihnen kann man bisweilen erahnen, wie tröstlich sie auf die Menschen damals wirkten. Und auch heute vermögen sie diesbezüglich spirituelle Kraft und Tröstung zu vermitteln.

 

Die moderne Theologie - genauso das kirchliche Lehramt - halten an der Vorstellung einer Läuterungsphase nach dem Tod fest. Jedoch wird diese Phase als Prozess verstanden, nicht örtlich im Sinne eines Fegefeuers. Vereinfacht ließe es sich so beschreiben: Die Verstorbenen erkennen schmerzvoll angesichts der Liebe Gottes, wo sie überall gegen Gott gesündigt haben und werden durch die Begegnung mit Christus und seiner barmherzigen Liebe geläutert und zur ewigen Seligkeit geführt.

Luther - der Reformkatholik?

Fortsetzung folgt...